Ableidinger Schmiede: Eine schwierige Abwägung

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Das Objekt Ableidinger-Schmiede, Hamerlingstraße 10, in Zwettl kann auf eine lange Geschichte zurückblicken (HIER auch mehr Infos). Nun wird bzw. wurde es abgerissen. Der Verlust eines historischen Gebäudes ist immer bedauerlich. Die Ableidinger Schmiede war zweifellos ein besonderes Zeugnis der Zwettler Geschichte und viele Menschen verbinden mit ihr Erinnerungen und den Wunsch, solche Bauwerke für kommende Generationen zu erhalten. Dieses Anliegen ist nachvollziehbar und verdient Respekt.

Um die aktuelle Entscheidung einordnen zu können, lohnt sich jedoch ein Blick auf die Vorgeschichte.

Herr Ableidinger hatte das Gebäude seinerzeit an St. Martin bzw. die Zwettler Bürgerstiftung als Teil seiner Altersvorsorge überlassen. Vor rund 20 Jahren kaufte die Gemeinde die Liegenschaft von der Bürgerstiftung. Nach unserem Wissensstand wurde dabei ein Preis bezahlt, der deutlich über dem damaligen Marktwert lag, um die Bürgerstiftung finanziell zu unterstützen. Der Ankauf erfolgte daher nicht ausschließlich mit dem Ziel, das Gebäude dauerhaft als historisches Objekt zu erhalten.

In den vergangenen Jahrzehnten gab es immer wieder Überlegungen für eine Nutzung oder Revitalisierung der Schmiede. Konkrete Projekte konnten jedoch nie umgesetzt werden. Gleichzeitig wurde über viele Jahre hinweg keine Unterschutzstellung durch das Bundesdenkmalamt erreicht. Wäre dieser Schritt bereits früher erfolgt, hätte sich die Ausgangslage möglicherweise anders dargestellt.

Die Entscheidung zum Verkauf ist daher nicht kurzfristig oder leichtfertig getroffen worden. Der neu zusammengesetzte Stadtrat hat sich seit Mitte 2025 intensiv mit dem Objekt beschäftigt. So fand man auch in der historischen Substanz Modernisierungen, die zwar noch leichter rückbaubar gewesen wären (Dusche, Wohnräumlichkeiten). Aber es waren auch schon strukturelle Schäden durch den Umbau beim Nachbarn feststellbar. Das Gebäude hätte statisch komplett neu aufgebaut werden müssen. Somit hat eine Besichtigung vor Ort gezeigt, dass eine ernsthafte Sanierung mit einem Investitionsbedarf im hohen sechsstelligen Bereich verbunden gewesen wäre – ohne Gewähr, dass sich daraus eine langfristig tragfähige Nutzung entwickeln lässt.

Gerade in der derzeitigen finanziellen Situation muss die Gemeinde ihre Mittel dort einsetzen, wo sie möglichst vielen Menschen zugutekommen. Deshalb werden beispielsweise die ehemaligen Caritas-Räumlichkeiten neben dem Stadtamt für eine konkrete und langfristige Nutzung demnächst adaptiert. Auch an anderer Stelle stehen historische Objekte vor ähnlichen Herausforderungen. So würde etwa die Erhaltung einer historischen Dampflok hohe Investitionen erfordern – Mittel, die von der Gemeinde ebenfalls nur schwer bis gar nicht aufgebracht werden können.

Der Verkauf der Ableidinger Schmiede wurde schließlich im September 2025 mit 35 von 37 Stimmen im Gemeinderat beschlossen. Es handelte sich also um eine breite Entscheidung über Fraktionsgrenzen hinweg und nicht um den Beschluss einzelner Personen. Gleichzeitig hat der Gemeinderat in derselben Sitzung den ehemaligen Tennisplatz am Statzenberg um rund 100.000 Euro erworben. Dies ist ebenso eine strategisch zentral gelegene Liegenschaft, die mittelfristig für die Allgemeinheit relevant sein kann.

Die Diskussion um die Schmiede zeigt aber auch, wie wichtig der Erhalt der historischen Altstadt ist. Deshalb wurden bereits Gespräche mit Fachleuten über Möglichkeiten geführt, andere historische Objekte besser zu schützen und zu erhalten. Die minimalen Möglichkeiten, die die Gemeinde hat – beispielsweise über Fassadenförderung oder Bewuchsentfernung an der Stadtmauer sollen unbedingt fortgeführt werden. Ziel muss es sein, die noch vorhandene historische Bausubstanz langfristig zu sichern.

Grundsätzlich kann jede Bürgerin und jeder Bürger beim Bundesdenkmalamt die Prüfung einer Unterschutzstellung eines Gebäudes anregen. Im Fall der Ableidinger Schmiede wurde dies zwar zuletzt noch versucht, letztlich jedoch zu spät.

Die Enttäuschung vieler Menschen über den Verlust dieses historischen Gebäudes ist verständlich. Aus der Entscheidung sollte jedoch nicht der Schluss gezogen werden, dass der Gemeinderat oder die Gemeinde kein Interesse an der Geschichte oder am Stadtbild Zwettls hätten. Vielmehr mussten unterschiedliche berechtigte Anliegen gegeneinander abgewogen werden. Angesichts der angespannten finanziellen Lage fiel die Entscheidung zugunsten jener Projekte, die einen unmittelbaren und nachhaltigen Nutzen für möglichst viele Bürgerinnen und Bürger schaffen. Das bedeutet nicht, dass die Geschichte unserer Stadt an Bedeutung verloren hat.